Die germanischen Mütter fühlten sich verantwortlich für das Weltgeschehen
Petra Baumgart und die weibliche Geschichte

Detmold. Bei der geschichtlichen Betrachtung der Varus-Schlacht kommt Petra Baumgart die Rolle der Frauen zu kurz. „Die Varus-Katastrophe – Was würden die germanischen Frauen dazu sagen?“ hatte die 50-jährige Buchautorin deshalb einen Vortrag überschrieben, den sie am Dienstag in der Schlosswache hielt. Der Detmolder Ortsverein des Lippischen Heimatbundes hatte dazu eingeladen.

Was hat Sie veranlasst, die Frauen und Mütter in den Fokus zu nehmen?
Petra Baumgart: Ich bin mir sicher, dass man ohne die Behandlung dieser Frage nicht beantworten kann, wie unsere Vorfahren, die kein Kriegsvolk waren, eine römische Supermacht in einer aussichtslosen Schlacht besiegen konnten. Niemand war bisher in der Lage, mir dies zu beantworten.

Welche Stellung nahmen Germaninnen in der Zeit von Arminius und Varus ein?
Petra Baumgart: Bei den Germanen wurden die Frauen hoch angesehen, sie hatten Einfluss und Macht, waren völlig gleichberechtigt mit den Männern und hatten im religiösen und kultischen Bereich eine geachtete Stellung. Sie nahmen an Volksversammlungen teil und erhielten zur Hochzeit Waffen, um gleichwertig dazustehen.

 

 

Wie sah das bei den römischen Frauen aus?
Petra Baumgart: Die römischen Frauen hatten eine untergeordnete Position. In der Rechtsprechung wurden sie aufgrund der Schwäche ihres Geschlechts und der Kraftlosigkeit ihres Verstandes unter die Vormundschaft der Männer gestellt. Während bei den Germanen das matriarchalisch-egalitäre System griff, war es bei den Römern patriarchalisch-hierarchisch. Väter hatten dort eine unerschütterliche Machtposition. Sie konnten ihre Kinder verkaufen oder mit dem Tod bestrafen. Frauen der Oberschicht hatten nach der Hochzeit die Stellung einer Tochter – mit der Ausnahme, dass der Mann sie nicht verkaufen oder umbringen durfte.

Was ist das Ziel ihrer Betrachtungen?
Petra Baumgart: Mir geht es darum, eine Lücke zu schließen, wenn wir so ein Ereignis wie die Schlacht im Teutoburger Wald begehen. Die Kultur unserer Vorfahren wurde fehl interpretiert oder missbraucht. Dabei lebten die Germanen im Einklang mit der Natur. Die germanischen Mütter lebten in einer Trinität mit der Erd- und mit der Allmutter.

Das Gespräch führte die LZ-Mitarbeiterin
Katharina Pavlustyk.
Lippische Landes-Zeitung, 15. Oktober 2009 Nr. 240/4

 
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